Beklemmende Stimmung
- holunderfraubrigit

- vor 2 Tagen
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Da liegt ein beklemmendes Gefühl in der Luft. Ich spüre es oft in Gesprächen, und ich nehme mich hier selbst nicht aus: Der Sommer fühlt sich gedämpft an. Freude kommt nicht richtig hoch. Es ist so, als ob zwei Nebelgestalten uns, wie ein beklemmendes Zwillingspaar, nach unten ziehen.
Sie sitzen mit uns im Biergarten, am Badestrand, beim Grillen. Sie sitzen in der Sonne und werfen Schatten auf uns, auf unseren Sommer. Sie sind unsichtbar, aber spürbar – als Druck hinter dem Brustbein, als Schwere in den Schultern, als Atem, der oft stockt.
Ungewissheit
Die eine Gestalt heißt Ungewissheit. Sie sagt leise, aber unaufhörlich: „Bleibe ruhig. Meide das Risiko. Dann wird aus einem ‚Ich kann es nicht lösen‘ ein ‚ich muss es nicht lösen‘“. Doch sie bleibt Grau, wie ein Nebel, der das Licht dämpft. Die Ungewissheit liegt wie ein bleiernes Joch auf den Schultern, schwer und lähmend. Halb blind im Nebel suchend, sich im Kreis drehend, den Weg nicht findend. Die Beine werden schwer, der Nacken steif. Trostlos und entmutigend ist das Grau der Ungewissheit.
Angst
Die andere Zwillingsgestalt heißt Angst. Sie schreit laut: „Du musst es lösen. Du musst einen Weg finden. Du musst handeln. Du musst“. Die Angst kommt wie ein ungestümer Reiter. Rücksichtslos zertrampelt er auch das letzte Grün. Die Angst lässt nicht los, sie wütet. Der Puls geht hoch, die Hände werden kalt, der Magen zieht sich zusammen. Da ist kein Gott, und kein Schicksal, in dessen Hände sie das Unlösbare legt. Die Szene wirkt unheilvoll. Denn oft wird die Angst selbst zum Schicksal.
Leicht gesagt
Die fernab von alldem in ihren Häusern sitzen, wissen das, doch ihre Worte verhallen: „Freue dich doch am Kleinen, an den Blümchen und gehe weiter. Gehe schneller.“ Es sind drei Solisten, die die Szene von außen besingen. Sie meinen es gut, aber sie gehen selbst nicht im Grau, und ihr Gesang versinkt wie Glitzerstaub im Nebel, kurz schimmernd, aber kein Licht gebend.
Viele bleiben bei den Sängern stehen. Dabei liegt die Antwort nicht bei ihnen, sondern vielleicht verborgen im nächsten, sehr leisen Schritt:
Unbeachtet
Zu oft unbeachtet von allen bleibt die kleine Schwester. Sie macht keinen Lärm. Sie ist ganz leise. Langsam und auf jeden ihrer kleinen Schritte achtend, geht sie weiter durch den Nebel, ihrem Weg folgend. Manchmal stockt auch sie, spürt die Schwere in ihren Beinen. Doch sie geht weiter. Es scheint, als würde sie ein wenig lächeln. Auf ihrem Gesicht liegt Zuversicht, in jedem Schritt Gelassenheit. Ist Elva, die kleine Schwester in Wahrheit viel größer als sie aussieht? Fast schon weise? Sie trägt kein Licht für den ganzen Weg bei sich, nur eins für den nächsten Schritt. Auf ihrem Weg leuchtet Vertrauen. Sie findet ihren Weg. Heimwärts.
Elva
Nebel
leise Schritte
ein Licht für heute
Zuversicht trägt mich
heimwärts

Lesetipp:
Gesellschaftskritik, bildhaft dargestellt, nicht wertend, findest Du unter diesem Tag:
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